Dathe von Burgk Carl Christian Arthur Freiherr
MdL, Bergbauunternehmer, Besitzer der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke, Kammerherr, Kommendator des Johanniterordens, Rittergutsbes
* 31.10.1823 Burgk bei Dresden 28.6.1897 Roßthal bei Dresden Pesterwitz(ev.)
VCarl Friedrich August (1791-1872), MdL, Industriepionier, Besitzer der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke, königlich sächsischer Kammerrat, RittergutsbesitzerMMarianne Clementine, geb. von Klösterlein (1805-1870)GMarie Caroline Therese, verh. von Winterfeld (1825-1901); Anna Adele Helene (1828-1844)1850 Helene Elenore Marianne, geb. von Mutius (1826-1905)SKarl Friedrich August Maximilian (Max) (1853-1931), Besitzer der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke, königlich sächsischer Kammerherr, RittergutsbesitzerTMarianne Louise Cecilie Helene Auguste, verh. von Fink (1851-1932); Marie Louise Margarethe, verh. von Oppell (1856-1944); Marie Charlotte Louise, verh. von Spörcken (1858-1939).
GND: 1015603726

Den Lebensweg des Bergbauunternehmers D. bestimmten die montantechnischen Unternehmungen seines Vaters, des herausragenden Industriepioniers Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk. Dieser hatte, unter Inkaufnahme unternehmerischer Risiken, beseelt von vaterländischem Stolz mit wirtschaftlicher Weitsicht ab 1819 als einer der ersten Bergbauunternehmer Sachsens, unter Anwendung modernster westeuropäischer Technik, die Erzeugung von Kohle, Koks, Gas, Roheisen, Walzstahl sowie den Maschinenbau in einer Hand vereint. – D. wuchs mit seinen beiden Schwestern liebevoll behütet, frühzeitig durch fremdsprachlichen und instrumentalen Musikunterricht gefördert, auf. Allen drei Kindern war eine instabile Gesundheit und schwächliche Konstitution eigen, die D.s jüngster Schwester Helene 16-jährig das Leben kostete. Die Bürde als alleiniger familiärer Hoffnungsträger beeinflusste den ausgeprägt ernsten und verantwortungsbewussten Heranwachsenden von jungen Jahren an, erbrachte für ihn aber zugleich einen lebenslang kraftspendenden familiären Rückhalt. – D. besuchte ab 1839 ein Dresdner Gymnasium, studierte seit 1843 an der Freiberger Bergakademie und begann nach dem Erlangen bergmännischer Grundlagenkenntnisse 1845 in Berlin ein naturwissenschaftliches Studium, dem er ab 1847 an der Leipziger Universität ein Philosophiestudium folgen ließ. Nach Beendigung der Studien und dem Kennenlernen infrastrukturell günstig angelegter Montanunternehmen kehrte D. zu seinem Vater zurück, um diesen bei der Betriebsführung der technisch, wirtschaftlich und hierarchisch konsolidierten Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt standen dem durch planvollen Erwerb großer Kohlenabbaufelder wirtschaftlich langfristig gesicherten Fortbestand der Steinkohlenwerke ein schlechtes betriebswirtschaftliches Ergebnis der Eisenhüttenwerke gegenüber. Die um 1830 bahnbrechend modernen Hütten- und Walzwerke hatten D. durch seine Jugend begleitet und die Industrialisierung anderer sächsischer Unternehmen befördert. Mit seinem Eintritt in die Unternehmensleitung 1849 besiegelte D., die geringen Erfolgsaussichten des inzwischen technisch unmodernen komplexen väterlichen Eisenhüttenwerks erkennend, das Schicksal der durch dezentrale Fabrikation und mangelnde einheimische Rohstoffe kleinindustriell gebliebenen Eisenhüttenwerke. Das Walzwerk rückbauend und den Hochofenbetrieb einstellend, richteten D. und sein Vater ihr Interesse auf die erfolgversprechende Gießerei und Maschinenbauwerkstatt. – Der 26-jährige technisch und betriebswirtschaftlich ausgebildete Bergbaufachmann stand seinem fast 60-jährigen, jahrelang erfolglos einen Werksdirektor suchenden und gesundheitlich angeschlagenen Vater ab 1849 als sog. Mitdirigent der Burgker Werke zur Seite. Das auf den Burgk gegenüberliegenden Weißeritzhängen ausgangs des 18. Jahrhunderts erbaute Winzerhaus „Juchhöh-Schlösschen“ diente D. als Wohnsitz. Nach seiner 1850 erfolgten Eheschließung mit der aus einem wohlhabenden schlesischen Steinkohlenunternehmen entstammenden Marianne von Mutius, deren Familie er bereits während seiner Ausbildung kennengelernt hatte, wurde das nahe Pesterwitz befindliche Schloss Roßthal zum Familienwohnsitz. – Mit dem Rückzug seines alternden Vaters wurde D. 1854 als Generalbevollmächtigter den Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerken vorgesetzt und erlebte, kurz nachdem sein Vater und das Unternehmen den 50-jährigen Besitzstand gefeiert hatten, durch ein Grubenunglück die bedrückendste Phase seiner unternehmerischen Laufbahn. Bei der seinerzeit schwersten Schlagwetterexplosion Sachsens fanden 1869 trotz Warnungen der Beamtenschaft und unter gewisser Mitverantwortung der Unternehmensleitung 276 Bergleute den Tod. Die Bergung und Bestattung der Leichen, die Versorgung der über 1.000 Hinterbliebenen, berggerichtliche Verfahren und die Weihe eines Denkmals für die Verunglückten waren einschneidende Lebenserfahrungen D.s, der bei seinem geliebten Vater und Werksgründer durch dieses Ereignis allen Lebensmut schwinden sah. Nach dem väterlichen Tod 1872 ließ D. in ehrendem Gedenken mit einer Gedächtniskapelle in Burgk einen familiär-unternehmerischen Erinnerungsort errichten. Das immobile Familienerbe antretend und dem testamentarischen Willen des Vaters folgend, bezog D. 1873 das Burgker Schloss als Zweitwohnsitz, wo ihm anlässlich seines damit zusammenfallenden 50. Geburtstags die Knappschaft einen prächtigen Empfang bereitete. – D. entwickelte das Privatunternehmen mit dem Teufen leistungsfähiger Förderschächte und dem Einsatz fortschrittlicher Technik gezielt weiter. Die Steinkohlenwerke erbrachten das quantitativ höchste Ausbringen an Steinkohle und den größten kommerziellen Gewinn während der Ägide des unter seinen Werksangehörigen und in der Bergbau-Fachwelt hoch angesehenen D. Seine unternehmerische Verantwortung gegenüber den ihm anvertrauten Bergleuten und Beamten manifestierte sich v.a. sozial-fürsorgend durch gezielte finanzielle Stiftungen oder moderne knappschaftliche Einrichtungen wie die eines Krankenhauses. Damit setzte der Bergwerksbesitzer den sich seinerzeit rasch ändernden gesellschaftlichen Verhältnissen und fortschrittlichen freiheitlichen Entwicklungen bewusst eine konservativ-patriarchische Unternehmensführung entgegen. – Außer seinen unternehmerischen Verpflichtungen und denen als königlich sächsischer Kammerherr, nahm D. als überaus wohlhabende Persönlichkeit höchsten gesellschaftlichen Rangs bis zum Lebensende am geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben im Plauenschen Grund sowie in der Residenzstadt Dresden als Grundbesitzer, Kirchenpatron, Ordensritter, Vereinsmitglied und Privatperson regen Anteil. Die damals größten Kirchenneubauten in Deuben und Potschappel erfuhren seitens seiner Person maßgebliche materielle Unterstützung ebenso wie zahlreiche Schulgebäude und Kinderbewahranstalten im Gebiet seiner Besitzungen, wo er auch als Friedensrichter tätig war. 1854 bis 1862 lenkte D. als stellvertretender Abgeordneter, bis 1868 als ordentlicher Abgeordneter der Rittergutsbesitzer für den Meißner Kreis in der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtags und 1871 bis 1896 in dessen Erster Kammer als Abgeordneter auf Lebenszeit die Geschicke des sächsischen Königreichs mit. – Die alleinige Verantwortung für das unternehmerische Fortkommen des großen privatindustriellen Steinkohlenwerks und das Wohl seiner etwa 1.800 Bergarbeiter und 80 Beamten behielt sich D., dem offiziell seit 1883 Sohn Max in der Werksleitung beisaß, ausschließlich selbst vor. Sein großartig geplantes 25-jähriges Besitzstandsjubiläum vorbereitend, erkrankte D. schwer und verstarb unerwartet innerhalb weniger Tage. Das unternehmerische Erbe trat der einzige Sohn Max an, der mit dem erfolgreichen sächsischen Bergwerksbetrieb der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke noch bis 1930 Steinkohle förderte.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10168 Grundherrschaft Burgk.

L  J. Puls, Lebensbahnen. Historische Streifzüge durch die frühen Jahrhunderte der Freitaler Region, in: Sonderausstellung Lebensbahnen - 800 Jahre Ersterwähnung von Potschappel, Döhlen und Wurgwitz, hrsg. von den Städtischen Sammlungen Freital, Freital 2006, S. 49-52 (P).

P  F. Thost, Carl Christian Arthur Freiherr D. mit seinem Vater als Bauherren der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke, 1854, Aquarell, Städtische Sammlungen Freital; Carl Christian Arthur Freiherr D. als Bauherr der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke, 1897, Fotografie, Städtische Sammlungen Freital (Bildquelle).



Juliane Puls
24.5.2016


Empfohlene Zitierweise:

Juliane Puls, Dathe von Burgk, Carl Christian Arthur Freiherr, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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