Lincke Arthur Alexander
Orientalist, Volkskundler
* 13.11.1853 Dresden 2.6.1898 Dresden
VFriedrich Alexander († 1872), KaufmannMMarie, geb. Kuhn
GND: 122262263


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L. besuchte in seiner Heimatstadt Dresden die Böttchersche Privatschule und danach 1866 bis 1873 das Vitzthumsche Gymnasium. Anschließend studierte er 1873 bis 1878 in Leipzig erst klassische, dann orientalische Philologie, namentlich bei dem Ägyptologen Georg Moritz Ebers und dem Semitisten und Assyriologen Friedrich Delitzsch. 1877 unterbrach er sein Studium, um sich in Italien mit den Beständen der ägyptischen Museen in Bologna und Turin vertraut zu machen. Nach dem Abschluss seines Studiums promovierte er 1879 an der Universität Leipzig mit dem Thema „Beiträge zur Kenntniss der altaegyptischen Briefliteratur“ zum Dr. phil. In seinen folgenden wissenschaftlichen Arbeiten, denen er sich unter günstigen äußeren Bedingungen ohne Bindung an ein Amt widmen konnte, befasste er sich anfangs mit ägyptologischen, später mit assyriologischen Themen, darunter den einschlägigen Sagen. L.s Hinwendung zur Volkskunde ergab sich wie bei anderen Zeitgenossen aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Wandel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Obgleich er die Gesamtentwicklung begrüßte, forderte er dazu auf, „mit vereinten Kräften alles zu sammeln, was der Zahn der Zeit noch nicht mitleidslos zerstört hat“. Er informierte sich eingehend über die Literatur zur Ethnologie und Volkskunde Europas und darüber hinaus und forderte eine „systematische Erforschung des gesammten Volkslebens“ auf der Grundlage historischer, geografisch-klimatischer und weiterer Kontext-Recherchen. An der Gründung des Vereins für Sächsische Volkskunde 1897 war L. maßgeblich beteiligt. Als Mitglied des Vereins für Erdkunde zu Dresden, des Vereins für Geschichte Dresdens, der Historischen Gesellschaft zu Dresden und des Literarischen Vereins zu Dresden trat er mit zahlreichen Vorträgen an die Öffentlichkeit. Sein früher Tod war Folge eines Schlaganfalls und eines chronischen Nervenleidens.



W  Correspondenzen aus der Zeit der Ramessiden, Leipzig 1878; Beiträge zur Kenntniss der altaegyptischen Briefliteratur, Diss. Leipzig 1879; Skizze der altägyptischen Literatur mit besonderer Berücksichtigung der Culturgeschichte, Leipzig 1883; Vom Wiener Orientalisten-Congress 27. Septbr. bis 2. Octbr. 1886, Dresden 1887; Ein Wort zur Beurteilung des alten Orients, in: Festschrift zur Jubelfeier des 25jährigen Bestehens des Vereins für Erdkunde zu Dresden, Dresden 1888, S. 1-34; Zur Lösung der Kambyses-Frage, Leipzig 1891; Assyrien und Ninive in Geschichte und Sage der Mittelmeervölker, Berlin 1894; Bericht über die Fortschritte der Assyriologie in den Jahren 1886-1893, Leipzig 1894; Die neuesten Rübezahlforschungen, Dresden 1896; Kambyses in der Sage, Leipzig 1897; Ueber den gegenwärtigen Stand der Volkskunde im Allgemeinen und der Sachsen’s im Besonderen, Dresden 1897; Sagen aus der Umgebung der Schweizermühle im Bielathale, in: Ueber Berg und Thal. Organ des Gebirgsvereins für die sächsische Schweiz 1/1900, Nr. 1, S. 216f.

L  Dresdner Geschichtsblätter 2/1893, Nr. 1, S. 68, 7/1898, Nr. 4, S. 136; Mitteilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde 1/1897-1899, H. 6, S. 1; A. Wiedemann, Dr. Arthur L. †, in: Orientalistische Litteratur-Zeitung 1/1898, Nr. 7, Sp. 224f.; P. Rachel, Die Historische Gesellschaft zu Dresden 1870-1920, in: Dresdner Geschichtsblätter 30/1921, Nr. 3/4, S. 33-46. – W. R. Dawson/E. P. Uphill, Who was Who in Egyptology, London ²1972, S. 176.



Brigitte Emmrich †
21.3.2011


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Lincke, Arthur Alexander, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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