Arnold von Westfalen (Arnolt, Arnolt Bestveling, Arnold Westveling, Arnolt von Westeval, Arnoldus Westfalus)
Baumeister
* um 1425 1481 (?) Meißen
um 1479 Margarete, geb. von RülckeK1
GND: 135803640





A. war der bedeutendste sächsische Baumeister des 15. Jahrhunderts. Er entwickelte eine neuartige spätgotische Formenwelt, die von Sachsen ausgehend weitreichende Auswirkungen auf die europäische Architektur hatte. Mit dem Schloss in Meißen (seit 1676 Albrechtsburg) prägte er den frühneuzeitlichen Schlossbau. Die Steinmetze und Baumeister, die A. nach Meißen geholt und dort ausgebildet hatte, verbreiteten seine spätgotischen Bauformen in Sachsen und den umliegenden Ländern. – A. war bürgerlicher Herkunft und gehörte wahrscheinlich der in Leipzig ansässigen Familie Westfalen an. 1471 wurde A. von Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht (der Beherzte) zum obersten landesherrlichen Werkmeister berufen. Damit wurde erstmals eine staatliche Bauverwaltung geschaffen. Wo A. vor seiner Bestallung zum kurfürstlich und herzoglich sächsischen Landesbaumeister tätig war, ist nicht bekannt. Möglicherweise war er in Süddeutschland und Frankreich gewesen. Nicht identisch ist A. mit dem 1459 bezeugten Steinmetzmeister Arnd, der für den Erzbischof von Magdeburg in Calbe gearbeitet hatte und bis 1461 in Dresden nachweisbar ist. – Am 24.6.1471 begann A. mit dem Bau des Schlosses in Meißen, einer bedeutenden Anlage, die den Übergang von der mittelalterlichen, überwiegend fortifikatorisch geprägten Burg zur frühneuzeitlichen Residenz aufzeigt. Die Schlossanlage sollte die Wohnungen der beiden fürstlichen Brüder Ernst und Albrecht aufnehmen, Räume für die Landesverwaltung enthalten und die wettinische Landesherrschaft repräsentieren. A. entwickelte das innovative Wandpfeilersystem, das es ermöglichte, glatte Fassaden mit großen Fensteröffnungen auszubilden. Zu den typischen Bauformen A.s gehören Vorhangbogenfenster und Zellengewölbe. Nach französischen Vorbildern stattete er die Residenz mit einem prächtigen Wendeltreppenturm aus, für den er aber eine neuartige statische Konstruktion und Gestaltung erfand. – Als landesherrlicher Baumeister war A. für alle großen Schlossbauten der Wettiner zuständig. Auf ihn geht der Umbau des Residenzschlosses in Dresden zurück, der 1470 begann. A. fasste die älteren Gebäudetrakte zu einer geschlossenen Vierflügelanlage zusammen. Den Bautyp der Vierflügelanlage übertrug A. auch nach Rochsburg. Das in landesherrlichem Besitz befindliche Schloss war an Hugold von Schleinitz verpfändet. Zwischen 1472 und 1475 weilte A. in Rochsburg, wo er die Bauarbeiten überwachte und im Westflügel ein bemerkenswertes Treppenhaus entwarf. 1477 war er in Belzig, wo das Torhaus der Burg Eisenhardt in einen Jagdsitz umgebaut wurde, und in Grimma, wo er den Umbau des landesherrlichen Schlosses überwachte. In Meißen, wo A. wohnte, wenn nicht andere Baustellen zu begutachten waren, ließ er 1472 bis 1474 Sandsteinteile für das Schloss in Tharandt anfertigen. Auch war er am Bau des 1576 abgebrochenen Jagdschlosses in Jessen-Schweinitz beteiligt. 1476 erstellte A. ein Gutachten zur Stabilisierung des Turms der Marienkirche in Zwickau und lieferte 1479/80 Zeichnungen für das Gewandhaus in Leipzig. In Rochlitz scheint A. 1476 die Einwölbung der Kunigundenkirche geleitet zu haben. Das deuten zumindest die Bauformen der Pfeiler und Gewölbe an. Wohl in landesherrlichem Auftrag betreute A. die von Kurfürst Ernst und Herzog August veranlasste Fertigstellung der Westturmanlage des Meißner Doms. Er legte den Entwurf für eine Zweiturmanlage vor, von der um 1470/80 nur das dritte Geschoss ausgeführt werden konnte. Die Bauhütte A.s errichtete ab 1471 die Wallfahrtskirche St. Wolfgang in Meißen-Obermeisa. – A.s Bedeutung liegt darin, Elemente aus dem französischen Schlossbau und einheimische Bauformen der Mark Meißen zusammengeführt zu haben. Seine daraus entwickelte neuartige und zeitgemäße Architektur blieb in Sachsen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts vorherrschend und strahlte darüber hinaus in alle umliegenden Länder aus. Die Blütezeit sächsischer Kunst im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert basierte nicht nur auf dem Silberreichtum, sie ist auch klugen und innovativen Köpfen wie A. zu verdanken. – Als landesherrlicher Beamter erhielt A. Wochenlohn und ein Jahrgeld sowie zweimal jährlich ein Hofgewand. Außerdem wurden ihm kostenfreie Verpflegung und die Nutzung eines Dienstpferds zugesichert. Mangels Bargeld wurde ihm 1473 ein Haus in Leipzig verpfändet. A. heiratete die aus dem niederen Adel stammende Margarete von Rülcke und kaufte 1479 das Rittergut Langenau bei Freiberg. Nach einer schweren Krankheit verstarb A. vor Pfingsten 1482, wahrscheinlich gegen Jahresende 1481. Er hinterließ ein namentlich nicht bekanntes Kind. Zu seinen Erben gehörte Klaus Kirchner (Meister Klaus), der als Nachfolger A.s das Amt des Dombaumeisters zu Meißen übernahm. Die Bauarbeiten an der Albrechtsburg in Meißen führte Konrad Pflüger weiter.



W  Residenzschloss Dresden, Umbau, 1470; Schloss Rochsburg, Um- und Ausbau, 1470-1483; Dom Meißen, Fertigstellung der Westturmanlage, 1470/80; Schloss Meißen, ab 1471; Wallfahrtskirche St. Wolfgang Meißen-Obermeisa, ab 1471; Kunigundenkirche Rochlitz, Einwölbung, 1467; Burg Eisenhardt Bad Belzig, Umbau des Torhauses, 1477; Schloss Grimma, Umbau, 1477; Schloss Jessen-Schweinitz, Umbau, 1576 abgebrochen; Gewandhaus Leipzig, Zeichnungen, 1479/80.

L  T. Distel, Meister Arnold, in: Archiv für die sächsische Geschichte 4/1878, S. 315-337; F. Rauda, Die Albrechtsburg zu Meißen und ihr Meister, Dresden 1925; ders., A. (Arnold Westfäling von Meißen), in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 11/1928, S. 5-70; E.-H. Lemper, A. - Berufs- und Lebensbild eines deutschen Werkmeisters der Spätgotik, in: H.-J. Mrusek (Hg.), Die Albrechtsburg in Meißen, Leipzig 1972, S. 41-55; M. Donath, Herzog Albrecht der Beherzte und die Bauten auf dem Meißner Burgberg, in: A. Thieme (Hg.), Herzog Albrecht der Beherzte (1443-1500), Köln/Weimar/Wien 2002, S. 233-281; ders., Die Wettiner und die spätgotische Architektur in Sachsen, in: Sächsische Heimatblätter 48/2002, S. 2-18. – ADB 42, S. 216f.; AKL, Bd. 5, München/Leipzig 1992, S. 233f.; DBA I, II, III; DBE 1, S. 185; NDB 1, S. 381f.; Thieme/Becker, Bd. 2, Leipzig 1999, S. 134.



Matthias Donath
3.5.2012


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Arnold von Westfalen (Arnolt, Arnolt Bestveling, Arnold Westveling, Arnolt von Westeval, Arnoldus Westfalus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.9.2017)

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