Anna Gräfin von Rieneck
Herrin von Schönburg
* nach September 1461 Schloss Rieneck 13.12.1525 Waldenburg
VPhilipp († 1497), Graf von RieneckMMargarethe (?), geb. von Eppstein († 1463)GReinhard (1463-1518); Philipp (1467-1483); Georg (* † 1468); Kunigunde (1469-1502); Thomas (1472-1547), Domherr zu Würzburg; Johann (1473-1532), Domherr zu Würzburg; Katharina (* 1475); Christoph (* 1477); Amalia (1478-1543)Ernst I. (um 1458-1489), Herr von SchönburgSWolf I. (1482-1529); Ernst II. (1486-1534), Geheimer Rat Herzog Georgs von SachsenTAnna (1479-1533); Elisabeth (1484-1522); Margarethe (1489-1535)
GND: 13966856X

Die aus einem angesehenen fränkischen Adelsgeschlecht stammende A. ging 1478 die Ehe mit Ernst I. von Schönburg ein und führte nach dessen frühzeitigem Tod anstelle ihrer minderjährigen Söhne Wolf I. und Ernst II. 1489 bis 1512 die Vormundschaftsregierung über die Herrschaften Glauchau, Waldenburg, Lichtenstein, Hartenstein und Kloster Geringswalde. Die Vormundschaft war ihr in einer letztwilligen Verfügung ihres Gemahls zusammen mit den Mitvormündern Michael von Wertheim und Sigmund d.J. von Gleichen ausdrücklich übertragen worden, doch rief diese Bestimmung den entschiedenen Widerstand Friedrichs von Schönburg-Pürstein hervor. A. fand Fürsprache bei Herzog Georg (dem Bärtigen) von Sachsen und wurde schließlich auch von Böhmen als Vormundschaftsregentin anerkannt. – A. realisierte die geistlichen Vermächtnisse Ernsts I. und setzte dessen Wirtschaftsförderungspolitik konsequent fort. Die bergbauliche Erschließung des Hohensteins trieb A. voran und etablierte die gerade erst im Entstehen begriffene gleichnamige Stadt als zweites Zentrum der Silbererzgewinnung neben Elterlein. Wenn A. gelegentlich die Stadtrechtsverleihung für Hohenstein zugeschrieben wurde (1510), so erscheint dieser Zeitpunkt doch zu früh. Dagegen geht die Anlegung des ältesten erhaltenen Erbzinsregisters der Schönburgischen Herrschaften (1493) mit Sicherheit auf A.s Initiative zurück. – Ihrer persönlichen Frömmigkeit verlieh A. durch zahlreiche kirchliche Stiftungen und Schenkungen Ausdruck. Unter ihrer Regentschaft entwickelten sich die Schönburgischen Herrschaften zu einem Hauptverbreitungsgebiet spätgotischer Schnitzaltäre, etwa aus den Werkstätten Peter Breuers (Zwickau) oder der Gebrüder Naumann (Altenburg). Noch heute sind kostbare Flügelaltäre aus jener Zeit in verschiedenen Dorfkirchen (Schlunzig, Mülsen St. Jacob etc.) vorhanden. – 1512 legte A. die Regierung nieder und zog sich auf ihren Witwensitz Schloss Waldenburg zurück. In der schönburgischen Hausgeschichtsschreibung erhielt A. den Beinamen „Gratiosa“.



Q  T. Schön, Geschichte des Fürstlichen und Gräflichen Gesamthauses Schönburg. Urkundenbuch, Bd. IV, Stuttgart/Waldenburg 1903.

L  E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 79-81; T. Schön, A. von Schönburg, geb. Gräfin von Rieneck, in: Schönburgische Geschichtsblätter 4/1913, S. 13f.; E. Berlet, Geschichte der Stadt Glauchau, 1. Teil, Glauchau 1931, S. 205-207; C. Müller, Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 295-297, 314-321; T. Ruf, Die Grafen von Rieneck, Bd. 1, Würzburg 1984.



Michael Wetzel
13.11.2006


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Anna Gräfin von Rieneck, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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