Moschkau Alfred Otto Carl (Pseudonym: Alfred von der Lubota)
Philatelist, Schriftsteller, Heimatforscher
* 24.1.1848 Löbau 27.5.1912 Oybin Oybin, Klosterfriedhof(ev., seit 1870 Dissident, ab 1910 ev.)
VKarl August (1809-1867), Hufschmied, TierarztMLaura Juliane, geb. Beichling (1814-1862), Schauspielerin 1.1868 Friderike Ernestine, geb. Pfeiffer (1847-1885)SAlfred Lucianus Willybald (* † 1869); Johannes Heribert (1873-1948); Wolfgang Amadeus (* † 1878); Albert Oywinus (1880-1956)TElvira Adelina (gen. Ella) (1870-1936); Paula Oywina (* † 1871) 2.1887 Minna Louise, geb. Taubmann (1863-1946)SAlfred Walter (* † 1887); Willi (* † 1888)TWally Gertrud (* 1889)
GND: 118584340

M. war der erste nach systematischen Gesichtspunkten sammelnde Philatelist in Deutschland. Er machte die Briefmarkenkunde zu einem Zweig der Post- und Verkehrsgeschichte, und wie kein anderer hat er die Philatelie in Deutschland in den ersten Jahrzehnten ihrer Entwicklung als Anreger und Organisator gefördert und für ihr internationales Ansehen gesorgt. – M., der bereits in seiner Jugend mit dem Aufbau einer ersten Briefmarkensammlung begonnen hatte, besuchte zunächst die Bürgerschule in Löbau und seit 1865 die Handelsschule in Bautzen. 1868 übersiedelte er nach Dresden und versuchte sich u.a. als Kaufmann, homöopathischer Arzt, Fotograf, Schriftsteller und Briefmarkenhändler. M. veranstaltete eine erste interne Ausstellung seiner Sammlung im „Verein für Erdkunde“ in Dresden und schrieb seit 1869 Beiträge für die philatelistische Fachpresse. Bis 1870 stellte er mit über 5.000 Marken die damals größte Briefmarkensammlung in Deutschland zusammen, in der nur fünf Marken aller bis dahin erfolgten Ausgaben gefehlt haben sollen. 1870/71 war M. Redakteur der von Gustav Bauschke (Pseud. Schaubek) in Dresden gegründeten „Deutschen Briefmarken-Zeitung“. 1871 erschien in Leipzig der „Katalog aller seit dem Jahre 1840 bis auf die neueste Zeit ausgegebenen Briefmarken“, der nach M.s Sammlung bearbeitet und von Schaubek herausgegeben wurde. Im selben Jahr organisierte M. zudem eine öffentliche Ausstellung seiner Sammlung in Dresden - die erste deutsche Briefmarken-Ausstellung überhaupt - und gehörte zu den Gründern des „Vereins Deutscher Philatelisten“, dessen Präsident er wurde. Neben seiner Redakteurstätigkeit bei der „Deutschen Briefmarken-Zeitung“ gab er eine eigene Fachzeitschrift heraus: „A. M.s Magazin für den Markensammler“. 1871 bis 1877 bestand eine von M. errichtete erste Markenprüfstelle. Er musste jedoch seinen Kampf gegen die Markenfälscher wegen der unsicheren Rechtslage einstellen, nachdem er bei einem Prozess einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte. – Ab 1873 bezeichnete sich M. als Dr. phil., wobei die Meinungen zu diesem Titel in der Forschung verschieden ausfallen. Während einerseits davon gesprochen wird, dass M. in Leipzig als freier Student promoviert habe, wird andererseits die Möglichkeit einer käuflichen Erwerbung des Titels in Betracht gezogen. Am plausibelsten erscheint aber jene Auffassung, dass M. selbst seinen „Dr. phil.“ für „Doctor philateliae“ verwendete und damit seinem Auftreten in der jungen Briefmarkensammlerwelt mehr Effekt verleihen wollte. – 1876 bis 1881 war M. Redakteur von „Senf’s Illustriertem Briefmarken-Journal“. Unter seiner Mitwirkung wurde 1877 in Dresden der „Internationale Philatelisten-Verein“ gegründet. 1881/82 war er als Redakteur der „Weltpost“ in Wien tätig, wo er 1881 auch mit der Organisation der „1. Öffentlichen Ausstellung von Postwertzeichen aller Länder“ betraut wurde. Ein Jahr später kehrte M. in seine Heimat zurück und nahm seinen Wohnsitz auf der Burg Oybin, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. – Neben der Philatelie erwarb sich M. Verdienste um die Heimatkunde der Lausitz und besonders des Zittauer Gebirges. Von seinem historisch-regionalgeschichtlichen Interesse zeugen dabei nicht nur Zeitschriften wie z.B. die „Oywina“, die „Lusatia“, oder „Der Gebirgsfreund“, an denen er als Herausgeber oder Redakteur mitarbeitete, sowie eigene Schriften wie seine „Oybin-Chronik“, sondern auch die Gründung eines Heimatmuseums auf der Burg Oybin 1879. Auch auf vielen anderen Gebieten war er tätig, so engagierte er sich z.B. in der Naturheilkunde und für die Feuerbestattung. Insbesondere letzteres stand in Verbindung mit seinen engen Kontakten zu Freireligiösen und Freidenkern, die 1870 zum Kirchenaustritt M.s führten. Erst 1910 trat er wieder in die evangelische Kirche ein. – Aufgrund seiner Tätigkeiten auf kulturellem und philatelistischem Gebiet wurde M. vielfache Anerkennung zuteil. 1878 wurde er zum Meister und Ehrenmitglied des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt/Main ernannt. Im selben Jahr verlieh ihm die „Société française de Timbrologie“ in Paris für seine philatelistischen Werke das Ehrendiplom. Zudem ehrte König Albert M. 1890 mit dem Wettin-Orden und sein Nachfolger König Georg ernannte ihn 1904 zum königlich sächsischen Kommissionsrat. Dass seine Arbeit auch international Beachtung fand, bezeugen schließlich auch seine Ernennungen zum Ritter des kaiserlich-österreichischen Franz-Joseph-Ordens (1908) durch Kaiser Franz Joseph I. sowie zum Ritter des Ordens des Heiligen Stanislaus (1904) durch den russischen Zaren Nikolaus II. – Auf seinem weiteren Lebensweg geriet M. rasch in Vergessenheit. Seine einmalige Sammlung wurde in der Inflationszeit von seiner Witwe veräußert und später aufgelöst. Das von ihm gegründete Museum auf der Burg Oybin wurde 1937 von der Stadt Zittau übernommen.



W  (Hg.), A. M.s Magazin für den Markensammler 1871-1872; Die Wasserzeichen auf den seit 1818 bis dato emittirten Briefmarken und Couverts nebst Abriss einer Geschichte der Briefmarken und des Briefmarkensammelwesens, Dresden 1871, Leipzig 41880; Handbuch für Essais-Sammler, Leipzig 1875; Handbuch für Postmarken-Sammler, Leipzig 1875, 61888; Geschichte des Dorfes Ober-Cunnersdorf bei Löbau, Freiberg 1876; mit L. Senf (Hg.), Deutsches Briefmarken-Album, Leipzig 1876; Dr. Alfred M.s Permanent-Album für Postmarken, Leipzig 1876; (Hg.), Oywina 1/1879-6/1885; Zur Geschichte der Philatelie, Leipzig 1879; Oybin-Chronik, Leipa 1884; Ritterburg und Kloster Oybin im Zittauer Gebirge, Oybin [1888].

L  R. Schmidt, Dr. Alfred M., Leipzig 1877 [Ms.] (P); G. Reitz, Das Haupt der deutschen Philatelisten, Wien 1882; Alfred M., in: The Philatelic Record 30/1908, S. 228f.; O. H. Metzger, Dr. Alfred M., Begründer des Oybin-Museums bei Zittau und der Markenkunde, Mödling [ca. 1910], 21912; Die Briefmarke 13/1965, Nr. 83; A. Köth/C. Springer, Dr. phil. Alfred M., Köln 1983 (WV, P); N. Röhm, Aus den Anfängen einer großen Briefmarkenhandlung, in: Philatelie 44/1992, Nr. 202, S. 41-54; R. Neumann, Alfred M., in: Zittauer Geschichtsblätter 3/1996, H. 3-4, S. 11; W. Kirchhoff, Bibliographie von Alfred M., Zittau 1998; W. Maassen, Alfred M. Philatelist, Heimatkundler und Museumsgründer, Schwalmtal 2012 (P). – DBA I, II, III; DBE 7, S. 221; NDB 18, S. 168f.



Renate Springer
7.12.2016


Empfohlene Zitierweise:

Renate Springer, Moschkau, Alfred Otto Carl (Pseudonym: Alfred von der Lubota), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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