Agnes von Hessen
Kurfürstin von Sachsen
* 31.5.1527 Marburg 4.11.1555 Weimar Weimar, Stadtkirche St. Peter und Paul(ev.)
VPhilipp (der Großmütige) (1504-1567), Landgraf von HessenMChristine, geb. Herzogin von Sachsen (1505-1549)GAnna (1529-1591); Wilhelm IV. (1532-1592), seit 1567 Landgraf von Hessen-Kassel; Philipp Ludwig (1534-1535); Barbara (1536-1597); Ludwig IV. (1537-1604), seit 1567 Landgraf von Hessen-Marburg; Elisabeth (1539-1582); Philipp d.J. (1541-1583), seit 1567 Landgraf von Hessen-Rheinfels; Christina (1543-1604); Georg I. (1547-1596), seit 1567 Landgraf von Hessen-Darmstadt 1.1541 Moritz (1521-1553), Herzog von Sachsen, ab 1547 KurfürstSAlbrecht (1545-1546)TAnna (1544-1577) 2.1555 Johann Friedrich II. (1529-1595), Herzog von Sachsen-Coburg-Eisenach
GND: 104173815





A. war die Ehefrau von Moritz von Sachsen und somit erste Kurfürstin der albertinischen Linie der Wettiner. Sie unterstützte ihren Mann in politischen Angelegenheiten und setzte sich besonders für Belange ihrer hessischen Familie ein. – A. wurde in ein großes reformatorisches Familiengeflecht hineingeboren und wuchs mit neun Geschwistern in Hessen auf. Bereits als Zweijährige wurde sie dem damals einjährigen Erich  II. von Braunschweig-Calenberg versprochen. Seit 1538 kam auch eine Eheschließung mit Moritz, dem Sohn von Herzog Heinrich (der Fromme), in Betracht. Nicht zuletzt führte jedoch die umstrittene Doppelehe von A.s Vater von 1540 dazu, dass weitere Eheberedungen zum Erliegen kamen. Diese Situation verschärfte sich zunehmend, bis Moritz eigenmächtig nach Hessen reiste und ohne Erlaubnis seiner Eltern am 11.1.1541 die Ehe mit A. schloss. – Die ersten Monate verbrachte das junge Paar meist gemeinsam am hessischen Hof. Nach dem Tod Herzog Heinrichs 1541 begab sich Moritz nach Dresden, um dessen Nachfolge anzutreten, während A. zunächst in Hessen verblieb. Ihre Mutter, Landgräfin Christine von Hessen, und ihre Tante, Herzogin Elisabeth von Sachsen, begleiteten A. später an den sächsischen Hof nach Dresden, wo sie am 27.11.1541 in Empfang genommen wurde. Nach dreijähriger Kinderlosigkeit kam am 23.12.1544 das erste Kind des Paars zur Welt, das nach Moritz᾿ Tante und zugleich A.s Großmutter Anna benannt wurde. Am 28.11.1545 folgte Sohn Albrecht, der bereits am 12.4. des folgenden Jahrs verstarb. – Nach dem Sieg von Herzog Moritz in der Schlacht bei Mühlberg erhielt er und somit auch A. 1547 den Kurfürstentitel. – A. begann sich seit der Gefangennahme ihres Vaters, des hessischen Landgrafen Philipp, durch Kaiser Karl V. politisch zu engagieren und wurde ihrem Ehemann zur wichtigen Beraterin. Ihr vertraute Moritz wichtige Unterlagen an und bezog sie bei Vertragstexten ein. Sie verwendete sich außerdem für ihren Vater bei König Ferdinand I. und unterstützte darin ihren Ehemann. Da A.s Mutter Christine während der Gefangenschaft des Landgrafen am 15.4.1549 verstarb, bemühte sie sich, ihre noch unmündigen Geschwister in ihre Obhut zu nehmen. Im Oktober 1549 kam A.s Schwester Elisabeth zur Erziehung an den sächsischen Hof, im darauffolgenden Jahr folgte ihr Bruder Georg (I.). – Nach zwölfeinhalbjähriger Ehe verstarb Moritz am 11.7.1553 an seiner Verwundung aus der Schlacht bei Sievershausen. Im Herbst desselben Jahrs zog A. gemeinsam mit ihrer Schwester Elisabeth und ihrer Tochter Anna auf ihren Witwensitz nach Weißenfels. – Die zweite Eheschließung mit Johann Friedrich II. von Sachsen-Coburg-Eisenach erfolgte am 26.5.1555. Auch am Weimarer Hof war A. außer von ihrer Tochter Anna ebenfalls von ihren Geschwistern Elisabeth und Georg (I.) umgeben. Nach häufiger Krankheit verstarb A. an einer Lungenerkrankung am 4.11.1555 in Weimar.



Q  Frauenzimmerordnung des Herzogs Moritz von Sachsen 1541, in: Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhundert, Bd. 2, hrsg. von A. Kern, Berlin 1907, S. 36f.; Politisches Archiv des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen, Bd. 3, hrsg. von W. Heinemeyer, Marburg 1954, Bd. 1, hrsg. von F. Küch, Osnabrück 1965; Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. 1-2, hrsg. von E. Brandenburg, Berlin 1982/1904, Bd. 3-6, hrsg. von J. Herrmann/G. Wartenberg, ND Berlin 1982/83.

W  Klaglied der durchlauchsten hochgebornen fürstin und frawen, frawen A. gebornen landgrefin zu Heßen, herzogin zu Sachsen und churfürstin u. witfrawen, in: R. v. Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert, Bd. 4, Leipzig 1869, S. 605.

L  G. A. Arndt, Nonulla de ingenio et moribus Mauritii principis electoris Saxoniae, Hirschfeld 1806; F. O. Stichart, Galerie der Sächsischen Fürstinnen, Leipzig 1857; O. Clemen, Der fingierte (letzte) Briefwechsel zwischen der Kurfürstin A. und dem Kurfürsten Moritz von Sachsen, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 62/1943/44, S. 204-231; K. Blaschke, Moritz von Sachsen. Ein Reformationsfürst der zweiten Generation, Göttingen/Zürich 1984; J. Herrmann, Moritz von Sachsen (1521-1553). Landes-, Reichs- und Friedensfürst, Leipzig 2003; M. Vogt-Lüerssen, Anna von Sachsen, Gattin von Wilhelm von Oranien, Norderstedt 2003 (P); M. Lemberg, Alltag und Feste in den Residenzen Kassel und Marburg, in: H. Wunder/C. Vanja/B. Hinz (Hg.), Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen und seine Residenz Kassel, Marburg 2004, S. 89-108. – Sächsische Lebensbilder, Bd. 6, Teilbd. 2, Leipzig 2009, S. 477-518.

P  Herzog Moritz und seine Gattin A. von Hessen im Sächsischen Stammbuch, um 1540/46, farbige Tuschezeichnung, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abt. Deutsche Fotothek; Kurfürst Moritz und seine Gemahlin A., L. Cranach d.J., 1559, Öl auf Lindenholz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Grabtafel der Herzogin A., geborene Landgräfin zu Hessen † 1555 in der St. Peter und Paul Kirche Weimar, in: F. Löffler (Hg.), Die Stadtkirche St. Peter und Paul zu Weimar, Berlin ²1983, S. 26; A. von Hessen, Kurfürstin von Sachsen, H. Krell, um 1580, Gemälde, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle) [CC BY-SA 4.0, This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 Unported License].



Kerstin Schiefner
13.9.2016


Empfohlene Zitierweise:

Kerstin Schiefner, Agnes von Hessen, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.10.2017)

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